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Thema: IG-Dialoge aus "Namenloses Vergessen"

  1. #1
    ... Avatar von Dragomir
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    Standard IG-Dialoge aus "Namenloses Vergessen"

    Die IG-Dialoge habe ich auf der Festplatte, auf Wunsch schicke ich sie zu, auch in Auszügen. Alsdann auch hier:


    Auf ein Neues,
    Dragomir

  2. #2
    ... Avatar von Dragomir
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    Standard

    Während der Suche nach Steingruber waren auch Lucan und Dragomir unterwegs:

    Der Vermögensumverteiler und Seine Freiherrlichkeit haben das Orhogez'sche Anwesen durch das leise quietschende Tor an der Rückseite des Gartens verlassen und folgen mehr oder weniger schleichend einem kaum ausgetretenen Pfad am Hang des Hügels entlang. Rechterhand hat man derart einen interessanten Einblick in die Gärten der Nachbarvillen, aber auch einen schönen Ausblick auf das nächtliche, kaum beleuchtete Sant Ascanio. Nur wenige Lichter zeugen davon, dass dort in der Senke zum Meer hin eine eigentlich geschäftige Kolonialstadt liegt. Der Pfad mag geradewegs auf die Allee führen, welche sich vom Hafen zum Gouverneurspalast hinaufwindet, doch wie Lando versichert hat, endet er nahe des Parks, der den Palast umgibt.
    Wind kam auf, fegt nun schon in Böen über die Stadt und lässt Bäume, Sträucher und Palmen rascheln, über der See zucken gar grelle Blitze tauchen Wolken und Wasser in weißes, blaues, violettes Licht, Donner grollt aus der Ferne...

    Dragomir bleibt stehen und richtet den Blick dorthin.

    "Na, was meinst Du als Fachmann: Wohin verirrt sich ein Kaufmann aus Perricum nächtens an einem Ort wie diesem?"
    , fragt er Lucan unvermittelt, leise zwar, aber nicht besonders flüsternd...


    +++

    Der Tümmler verfolgt den Blick zur See mit gemischten Gefühlen, Sehnsucht gepaart mit Abscheu, was aber wie stets hinter einer Maske, in der das süffisante Grinsen dominiert, verborgen bleibt.
    Seine Hand fährt über sein stoppeliges Kinn, während er nachdenkt und schließlich sogar leise lacht. "In der Nacht wirken Tümmler wie Haie und Haie wie Tümmler", meint er schließlich knapp. "Und wenn das, was ich von Perricum weiß, stimmt, wird er vielleicht ein wenig ... Gesellschaft ... suchen."

    Er verharrt ein paar Schritte hinter Dragomir und verschränkt schließlich die Arme vor der Brust und beobachtet ebenfalls für eine Weile das Schauspiel, das die Elemente den beiden bieten.


    +++

    Dragomir schaut kurz über die Schulter zu Lucan herüber und verzieht dabei nachdenklich das Gesicht - was im Dunkel mitunter nur vage zu erkennen ist.

    "So, Du meinst also, er sucht den Tempel auf?",
    fragt er, wobei er wieder nach vorne blickt und mit einem Nicken auf die Kuppel des RAHja-Tempels deutet. "Oder eher irgendein Hurenhaus?"


    +++

    "Das hab ich nicht gesagt."
    , antwortet Lucan mit einem süffisanten Grinsen. "Ich habe von Gesellschaft geredet."

    Mit diesen Worten nickt er in Richtung Stadt. "Welchen Grund hätte ein gestandener Kaufmann wohl, sich in einer Stadt unter den hier geltenden Bedingungen aufzuhalten, wenn er ein rechtschaffener Mensch ist? Und das zu dieser Uhrzeit?"


    +++

    „Hm...“,
    kommt von Dragomir, während er sich wieder der Richtung zuwendet, die sie zuvor schon eingeschlagen hatten. „Gehen wir weiter. Unterwegs kannst Du mir die Details Deiner differenzierten Betrachtungsweise erläutern.“

    +++

    Lucan rollt mit den Augen und trottet Dragomir hinterher wie jemand, der sichtlich keine Lust dazu hat das für ihn Offensichtliche noch einmal detailliert darzustellen. Dennoch beginnt er, jedoch nicht ohne jeden Satz mit einem breiten Grinsen zu quittieren...

    "’n Kaufmann lebt von seiner Reputation, richtig? Wenn sich herumspricht, das er nachts in Gassen ’rumschleicht isses seinem Ruf nicht unbedingt förderlich, ganz zu schweigen das ein Kaufmann der sich nachts in Dunklen Gassen bewegt `n gutes Ziel ist. Ich würd zuschlagen."

    Lucan reibt sich das Kinn.

    "Wenn er sich also dem Risiko aussetzt muss das nen verdammt guten Grund haben, findest du nicht ? Und in Anbetracht der Tatsache das es Nacht ist, und Nachts für gewöhnlich nur Lumpenpack wie ich rumlaufe kann es sich dabei nur um zwielichtige oder schlüpfrige Angelegenheiten handeln."

    Mit diesen Worten tippt er sich gegen den Nasenflügel. "Für sowas hab ich nen Riecher."


    +++

    Dragomir nickt auf Lucans Frage hin und als dieser geendet hat, murmelt der Freiherr nur:

    „So definierst Du also Gesellschaft...“ – eher scherzend...

    „Hm... Du könnstest Recht haben. In dem Fall kennt er vielleicht jemanden hier...“

    Dragomirs Miene verfinstert sich ...

    „Vielleicht ist er auch von der Kaimauer gefallen oder in den Dschungel gerannt. Oder ... ja... er ist jemandem, im schlimmsten Fall einer Patrouille in die Arme gelaufen.“

    „Schon ’ne Idee, wie wir uns da umsehen?“, wechselt der Sewerier unvermittelt das Thema und deutet auf den Gouverneurspalast, der sich dunkel aus dem parkähnlichen Garten vor ihnen erhebt. Nur ein paar Lichter schimmern durch die Fensterläden im ersten Geschoss...


    +++

    Lucan wirft einen kurzen, aber dennoch fachmännischen Blick auf das Gebäude und nimmt gleich darauf die nähere Umgebung in Augenschein - er quittiert seine Erkenntnisse mit einem knappen Grinsen.

    "Du weißt wohl nicht mehr, wen du vor dir hast ?"


    +++

    Dragomir neigt den Kopf etwas zurück und mustert Lucan wie ein Maler, der sein Modell in Augenschein nimmt...

    „Doch, ich denke schon... Also raus mit der Sprache.“

    +++

    Ohne den Blick vom Gebäude abzuwenden kratzt sich Lucan noch einmal durch die Bartstoppeln und zeigt in Richtung der Fenster im Erdgeschoss.

    "Zunächst mal scheinen se noch wach zu sein. Also ham Sie entweder Besuch, arbeiten noch, oder wollen zumindest den Anschein erwecken das zu tun."

    Er hebt die Hand und streckt zwei Finger aus, an denen er abzählt.

    "Es gibt genau drei Dinge die einen Gouverneur angreifbar machen - die erste ist, das Ihm jemand seine Macht streitig machen könnte, das liegt in der Natur der Sache. Die zweite ist eine Gelegenheit zu verpassen, etwas darüber zu erfahren, was ihm schaden könnte. Und die dritte eine Gelegenheit verstreichen zu lassen, die ihm zu mehr Macht verhelfen könnte."

    Damit ballt er die Hand zur Faust.

    "Ich schlage eine Mischung aus zwei und drei in halboffizieller Version vor." Er wendet seinen Blick wieder dem Freiherren zu und setzt eines seiner berüchtigten Grinse-Grimassen auf.


    +++

    Zustimmend nickt Dragomir beim ersten Teil von Lucans Erklärung, bevor er mit einer hochgezogenen Braue auf die zwei Finger blickt, als der Pirat drei Dinge aufzählt. Geduldig lässt der Freiherr Lucan weiterreden, hört ihm aufmerksam zu...

    „Welche Resultate erwartest Du dabei?“,
    fragt er unverfänglich nach...

    +++

    Lucan legt die Stirn in Falten.

    "Naja, damit könnten wir reinkommen um uns umzusehn. Vielleicht schnappen wir ja das ein oder andere auf."


    +++

    „Vergisst Du dabei nicht eine Kleinigkeit?“

    +++

    "Hmm... "
    der Freischaffende Vermögensumverteiler zur See überlegt für einen kurzen Moment, und antwortet, leicht genervt. "Du wolltest doch von mir ne Möglichkeit hören, wie man sich da drin mal umsieht, und das war sie."

    +++

    „Ja.... Ich dachte eher daran, Steingruber zu suchen, dabei ungesehen zu bleiben... und vor allem etwas mehr Details über Deinen Plan zu erfahren. „Hingehen und nachgucken“ klingt eher nach... ähm... mir. – Spaß beiseite: Wie genau willst Du da nun reinkommen? Anklopfen? Durch ein Fenster einsteigen? Einen Baum im Garten anzünden und sagen es war ein Blitz?“

    +++

    Lucan verzieht das Gesicht zu einer Grinsegrimasse - mit Ausnahme der linken Augenbraue, die leicht nach oben wandert.

    "Also ich dachte eigentlich das ein brennender Emissär deutlich mehr Aufsehen erregen würde, aber wenn´s ein Baum sein soll..."

    An der Mimik mag sich erkennen lassen, das dieser Vorschlag keinesfalls ernst gemeint war...

    "Ich dachte eher an so was wie... 'Rachsüchtiger Pirat plaudert aus dem Nähkästchen', oder so was. Oder...“ - er runzelt gespielt die Stirn - " hast du etwa nicht gewusst, das hinter der Insel gerade die Thalukke von Aran dem Grausamen kreuzt ?"

    Er führt seine Rede weiter aus.

    "Du weißt schon. Der Pirat, auf den von der thalusischen Krone diese unverschämt hohe Kopfgeld ausgesetzt wurde, weil er sich reichlich ungezogen gegenüber einer Angehörigen des Fürstenhauses benommen hat..."

    Es schleicht sich erneut ein Schmunzeln auf seine Lippen.

    "Wäre es nicht die Aufgabe eines jeden treuen Adligen, die lokale Gouverneurität davon in Kenntnis zu setzen ?"

    Mit diesen Worten schaut er in Richtung Haus.

    "Leute die Macht mit Gewalt ausüben brauchen immer Geld, und zwar ne ganze Menge davon. Und wen verdächtigt man weniger, als jemanden der augenscheinlich genauso denkt ?"


    +++

    „Die Thalukke von Aran dem Grausamen? Die mit den giftgrünen Segeln? Mit der Besatzung, von der man sagt, sie sei nur zum Vergnügen in die Blutige See gesegelt? ... Sind die nicht in unserem Kielwasser hergeschippert?“

    „Nun, wie dem auch sei... vielen Dank für Dein Vertrauen in meine schauspielerischen Fähigkeiten. Doch Dein Plan birgt ein paar Haken und Ösen. Zum einen muß noch gar keiner...“
    - Dragomir rollt kurz mit den Augen – „...müssen nicht noch mehr Leute erfahren, dass wir hier sind... schon gar nicht dieser Gouverneur von eigenen Gnaden.“ – sein Zeigefinger schnellt in Richtung des Palastes, dann schmunzelt er – „Noch nicht. Ansonsten finde ich den Ansatz gut... für später.“

    +++

    Lucan zuckt mit den Schultern. "Du bist der Kapitän." Ein dünnes, vielleicht sogar triumphierendes Schmunzeln umspielt seine Lippen.

    +++

    „Na, wenn das so ist...“
    , gibt Dragomir knapp zurück, während sie an einer dichten Hecke entlang... schleichen. „Gehen wir doch einfach weiter spazieren und gucken uns um.“

    +++

    Lucan nickt und schickt sich an aufzubrechen, hält aber kurz inne. War da nicht etwas ? Nein, wahrscheinlich nicht.

    +++

    Wegen des zunehmenden Windes mag es beiden Recken entgangen sein, das Knurren hinter der Hecke... der immer lichter werdenden Hecke... und das nun deutliche Knurren... das Loch in der Hecke... und die beiden knurrenden, zähnefletschenden Hunde...

    +++

    Ein kurzer Blick an die Hecke - gefolgt von einem kurzen Blick zum Freiherren, und Lucan kann sich des spontanen Bedürfnisses, irgendwo etwas ganz dringendes am anderen Ende der Stadt erledigen zu wollen, nicht mehr entziehen.

    Aber er wäre nicht er, wenn er nicht auch für solche Gelegenheiten nicht das übliche Grinsen parat gehabt hätte... auch wenn es durch die Staubwolke, die er bei seiner Fl.. seinem taktischen Rückzug aufgewirbelt hatte, nicht mehr so richtig zur Geltung kommen mochte...


    +++

    Angesichts der Hunde ziehen sich Dragomirs Brauen verärgert, ja zornig zusammen. Fast scheint es so, als wolle er es ihnen auf die gleiche Art antworten. Doch statt dessen kommt aus seinem Mund nur ein...

    „Was zum Henker...?!“

    ... da Lucan Ferseng... sich zurückzieht. Mürrisch zischt der Freiherr den Viechern ein „Haltet ja ’s Maul!“ entgegen, was die beiden jedoch gründlich falsch interpretieren und stattdessen zu geiferndem Gebell ansetzen, woraufhin ein kurzer unverständlicher, aber sicherlich nicht jugend-, allenfalls piratenfreier Fluch von Dragomir folgt, während er sich langsam zurückzieht. Sein Blick wandert immer wieder von den Hunden zum Palazzo, schließlich dreht er sich in die Richtung in der er Lucan laufen sieht und beschleunigt ebenfalls, bemüht den Vermögensumverteiler einzuholen...

    +++

    Erst nachdem das Echo des Bellens nicht mehr in seinen Gedanken wiederhallt, wagt Lucan einen Blick zurück. Viel zu sehen war zwar nicht mehr, dennoch macht er eine Gestalt aus, die ihm folgt. Könnte das der Besitzer der Hunde sein?
    Was tun? Wenn das der Hundebesitzer wäre, müsste immerhin auch das Hundebellen lauter werden. Nun, die Lautstärke hatte zwar kurz zugenommen, allerdings blieb sie jetzt gleich. Aber was, wenn er seine Hunde zur Ruhe gebracht hatte?

    Eine Entscheidung musste her. "Bin ich wirklich dumm genug, stehen zu bleiben?". Aber immerhin war Dragomir ja noch in der Nähe - er würde die Hunde sicherlich auch gehört haben, es sei denn, das der Besitzer, wenn er es denn war, sich seiner schon vorher entledigt hätte. Verstecken? Half bei Hunden nicht viel, das wusste er aus Erfahrung.

    Aber wenn das nun nicht der Hundebesitzer war sondern jemand anders, würde er sich dann die Blöße geben weiter davonzurennen? Niemals. Also sucht er den Boden mit den Füßen nach einer geeigneten Waffe ab, da, ein Stein, liest ihn vom Boden auf, verschränkt beide Arme hinter den Rücken und lässt sein improvisiertes Wurfgeschoss von Hand zu Hand wandern...


    +++

    Wütend rennt Dragomir Lucan hinterher, holt gar auf, als der Pirat den Boden absucht. Die Distanz verringert sich logischerweise, als Lucan stehen bleibt, so daß auch Dragomir das Tempo drosselt.

    „Scheiße, ist das peinlich...“,
    zischt der Freiherr tief atmend, um gleich zu fragen: „Sind sie hinter uns?“

    +++

    Für einen kurzen, sehr kurzen Moment mag man ein gehässiges Grinsen im Gesicht des freischaffenden Vermögensumverteilers zur See erkennen, als er kurz den näher kommenden Dragomir, den er an seiner Stimme erkannte, und anschließend den Stein mustert...

    Besser nicht. Er lässt den Stein wieder auf den Boden fallen und verschränkt einmal mehr die Arme hinter dem Rücken.

    "Ehh.. nein, ich glaube wir haben sie abgehängt..."


    +++

    Dragomirs Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen unter den ohnehin zusammengezogenen Augenbrauen, als er den auftitschenden Stein wahrnimmt. Dann entspannen sich seine Gesichtszüge...

    „Mann, ist das peinlich.“

    +++

    Lucan nickt bestätigend. "Das kannst du aber laut sagen. Aber ich sag nichts, wenn du nichts sagst."

    Mit diesen Worten lässt Lucan den Stein mit der Fußspitze unauffällig in einem Gebüsch verschwinden.


    +++

    „Sagen? Was worüber
    ?“, entgegnet der Freiherr trocken und ohne jegliche Gesichtsregung.


    +++

    "Mhm. Genau. Dann sind wir uns ja einig."
    Wieder setzt der Pirat ein Grinsen auf. Diesmal scheint es jedoch einen Unterschied zu geben, zu der sonstigen von Zynismus durchzogenen Grimasse. Denn diesmal ist es ein ehrliches Grinsen.

    "Ich würde sagen das es sich wahrscheinlich ohnehin nicht gelohnt hätte sich den Palast näher anzusehen. Ich meine noch nicht. Wir waren ja auch nur zu zweit, und hätten ja wenig machen können."

    Nickt, als ob er selbst daran glauben würde und stemmt die Hände in die Hüften. "Also suchen wir nach diesem komischen Händler, ja?"


    +++

    „Ja, genau... wir hätten den Laden zu zweit gar nicht ausräu... kundschaften können.“
    , meint auch Dragomir, wonach er sich umschaut, um sich zu orientieren...
    Tatsächlich stehen sie am Rand der großen Prachtstraße, rechterhand kann man direkt auf den Rahjatempel sehen, dessen Kuppel sich in der Nacht dunkel abzeichnet und immer wieder von den Blitzen des aufziehenden Gewitters beleuchtet wird. Hinter den beiden streckt sich ein längeres Gebäude unterhalb des Gouverneurspalastes, daneben ragt eine weitere Villa auf. Ihr Weg führte zwischen den beiden Gebäuden her, während vor ihnen in weiteren, großzügigen Gärten weitere Palazzi und Villen schlummern...

    „Hm... ich bezweifle ja, daß Steingruber bis hier oben gerannt ist, um dann in einer von diesen Hütten oder gar im Wald zu verschwinden...“
    , erklärt Dragomir und deutet mit dem Daumen über die Schulter auf den Gouverneurspalast, den umgebenden Park und Wald, sowie die Nachbarvillen.

    +++

    Lucan sieht in die gedeutete Richtung, allerdings bleibt sein Blick zunächst am Rahja-Tempel haften.

    "Um auf den ersten Gedanken zurückzukommen, Händler nachts alleine unterwegs und so...", meint er schließlich und nickt mit dem Kopf in Richtung des in seinen Augen imposanten, und manch einer möge vielleicht auch behaupten.. vielversprechenden... Gebäudes.


    +++

    „Du meinst also, wir sollten Jurge und dem Fräulein Grushenjewa helfen, ihr Suchgebiet schneller abzuschließen
    ?“, entgegnet Dragomir trocken, dann fügt er schmunzelnd hinzu: „Das finde ich sehr kameradschaftlich. Also, fragen wir Paolina, ob Steingruber mittlerweile bei ihr war...“, befindet er,wobei er die Tatsache, daß der Geweihte und die Bornländerin die RAHja-Priesterin zuvor zum Tempel geleitet hatten und dementsprechend fündig geworden sein müssten, in seltsamer Weise uminterpretiert.

    Mit einer Geste bedeutet er Lucan, sich in Bewegung zu setzen, um dann neben ihm selbst den Weg anzutreten, welcher nach etwa sechzig Schritten vor dem Portal des RAHjatempels endet. Dragomir klopft selbst an die reichhaltig mit rahjagefälligen Schnitzereien versehene Pforte, woraufhin erst einmal nichts geschieht.


    „Immer das gleiche...“,
    grummelt er in den Dreitagebart um seinen Mund. „Nie geht jemand sofort an die Tür...“. lamentiert er weiter und hebt die Hand, um noch einmal zu klopfen, als sich ein kleines Türchen in Kopfhöhe (in Höhe des Kopfes eines durchschnittlich großen Aventuriers) öffnet...

    „Euer Exzellenz?!“,
    flötet die Stimme der Hochgeweihten selbst nach draußen. „Und Herr... Rondriguez, richtig?“

    Von innen tönt das typische Geruckel sich öffnender Riegel und Schlösser...

    +++


    "Äh.. genau", antwortet Lucan ungekonnt lässig, wobei offensichtlich ist, das er die Gedankengänge hinter diesen Worten nicht verstanden hat.

    Auf dem Weg zum Rahjatempel trottet er auch eher als das er läuft - sein Blick bleibt eher auf das Gebäude gerichtet, das er anstarrt als ob es ein Weltwunder wäre -

    Erst als er, genau wie der Freiherr, dessen Kommentar zum Anklopfen ihm ein Schmunzeln entlockt, begrüßt wird, findet er schließlich zu seiner "Form" zurück.

    Einen gewissen Stolz kann Lucan sich sicherlich nicht verkneifen als er erkannt wird, es wäre ihm zwar lieber gewesen, wenn man sich seiner als den "unglaublich mutigen, unbeschreiblich cleveren, und natürlich wunderschönen, ehrfurchterbietenden Tümmler" erinnern würde, denn Herr Rondruigez klang irgendwie so, als ob er lediglich ein einfacher Schiffszimmermann wäre - was natürlich vollkommener Unfug war...
    Aber dennoch, ha! Er musste ja einen ziemlichen Eindruck hinterlassen haben. Und so antwortet er mit einer Stimme die so klar und aufrecht klingt, das er beinahe selbst stolz darauf ist. "Genau der!"


    +++

    Die Priesterin zieht einen der Türflügel einen Spalt auf, um die beiden Recken mit einer einladenden Geste herein zu bitten, wobei sie beide gleichermaßen charmant lächelnd ansieht...

    „Nun, womit kann ich Euch dienen
    ?“, möchte die Geweihte wissen, die ihr reizendes Gewand und den wohlproportionierten Körper unter einem gefällig fallenden Umhang verborgen hält – offenbar hat sie ihn noch nicht abgelegt, denn als sie kurz zuvor unter dem Geleit von Jurge und Nadjesha die Villa Orthogez verließ, trug sie genau diese Kombination...

    „Mit der Antwort auf die Frage, ob Herr Steingruber hier war, Hochwürden.“
    , entgegnet Dragomir freundlichen Tons, obwohl die Wortwahl- und folge schroffer klingen mag – ebenso wie die Tatsache, daß er die Einladung durch Nichtbefolgung ablehnt.

    Etwas irritiert sieht Paolina die beiden Männer an, schüttelt dann jedoch den Kopf. „Nein, nicht seitdem Seine Gnaden Sturmfels und Frau von Gorschnitz mich hier her geleiteten. – Und zuvor auch nicht, so weit ich weiß.“

    +++

    Lucans Blick bleibt einen Moment, der deutlich zu lange währt, um flüchtig zu sein, an den wohlproportionierten Hüften der Geweihten kleben, als sie die Tür öffnet.

    Mhmmm Kein Steingruber hier.. mhm.

    Er wendet sich Dragomir zu und setzt eine empörte Mine auf. "Also das hab ich dir doch gleich gesagt. Aber nein, wir müssen ja zu so später Stunde noch die Zeit dieser reizenden jungen Dame verschwenden..."

    Er wendet sich noch einmal mit einem koketten Lächeln der Geweihten zu, und vollführt eine tiefe, formvollendete Verbeugung. "Ihr müsst schon entschuldigen, immerhin ist es schon spät, und wir sind in... " - er weitet die Augen bei den nun folgenden Worten - "... in allergrößter Sorge um den guten Herrn Steingruber..."

    +++


    Dragomir neigt den Kopf leicht nach vorn und dreht ihn dann mit zusammengezogenen Brauen zu Lucan, sagt jedoch nichts, eine Braue wandert höher, das Gesicht entspannt sich wieder.
    Indessen legt Paolina eine Miene an den Tag, die durchaus von erfreuter Überraschung zeugt.

    „Eure Sorge und Bemühungen ehren Euch, Herr Rondriguez, fürwahr. Und in nicht minderer Weise auch den unglücklichen Herrn Steingruber.“,
    entgegnet die Priesterin wiederum mit einem charmanten Lächeln.
    „Kann ich Euch weiterhin zu Diensten sein?“

    Noch bevor Lucan darauf antworten kann, ergreift Dragomir das Wort. „Nicht jetzt...“, antwortet der Freiherr, wobei unklar ist, ob er damit eine Antwort von Lucan erahnt oder einfach nur „Nicht jetzt, aber später bestimmt.“ meint. In welcher Form auch immer...

    „Wir werden unsere Suche fortsetzen und wünschen Euch eine gute Nacht.“

    +++

    "Oh, wie könnte ich in dem Wissen schlafen, das ein rechtschaffener, braver Mann sich wissentlich den unbekannten Gefahren der Nacht aussetzt?",
    säuselt Lucan kokett, und scheint darüber den Blick des Freiherren irgendwie gar nicht bemerken zu wollen. Stattdessen gibt er einen gedehnten und äußerst authentischen Seufzer von sich. Erst dann wendet er sich zu Dragomir um.

    "Du hast natürlich recht. Wir sollten mit unserer Suche fortfahren, obwohl es mir sehr schwer fällt, dieser im Mondschein erwachten Blume den Rücken kehren zu müssen." - Falls jemals Zweifel über seine halbtulamidische Herkunft aufgekommen wären, wäre dies sicherlich der Zeitpunkt, an dem sie dementiert worden wären. Obwohl diejenigen, die ihn kannten sicherlich zu dem - wahrscheinlich korrekten - Schluss gekommen wären, das er in diesem Moment einfach nur Theater spielte.

    "Wir werden weitersuchen", fährt er fort, und verbeugt sich leicht, um sich mit einem Handkuss zu verabschieden, oder selbigen zumindest anzudeuten. "Ich hoffe aber, das wir das Gespräch fortsetzen können, das so trefflich begonnen hat - dann in dem Wissen, das es dem guten Herrn Steingruber wohl geht..."

    Damit ist er auch schon auf dem Weg. "Sorgt euch nicht, Freiherr, sorgt euch nicht um die Laute der Nacht, in dem Wissen das Herr Rondruigez an eurer Seite ist", prahlt er, sicherlich etwas theatralisch, wobei er es aber durchaus versteht seiner Stimme einen leicht ängstlichen - aber durchaus künstlichen Ton, wie wiederum jene, die ihn kannten richtig erahnen würden, verleiht...


    +++

    „Äh, ja.“,
    kommt von Dragomir denkbar knapp, während Paolina vorrangig den Tümmler, aber auch den Freiherrn gleichermaßen entzückt wie amüsiert beobachtet. Tatsächlich reicht sie Lucan die Hand zum Kuss, um den beiden zum Abschied respekt- und würdevoll zuzunicken.

    „Gehabt Euch wohl, edle Recken, und seid auf der Hut!“

    „Wir gehen jetzt.“
    , bestimmt Dragomir knurrend in Lucans Richtung, dreht sich um und macht den ersten Schritt, derweil die Priesterin charmant lächelnd die Tür schließt...

    +++

    Kaum das die Tür geschlossen ist, wendet sich Lucan an Dragomir. Er reibt sich zufrieden die Hände und setzt ein unverschämt breites Grinsen auf.

    "Ein herrlicher Abend. Und was machen wir jetzt ?"


    +++

    Der Blick des Freiherren liegt ruhig auf Lucan. Ruhig und forschend und in einer seltsamen Mischung aus Finsterkeit und Frohsinn... Nicht, daß das beunruhigend wäre...

    „Was würde Dir denn den Abend noch mehr versüßen?“,
    kommt ernsthaft von Dragomir, wenngleich man durchaus den Eindruck haben könnte, daß eigentlich etwas ganz anderes aus der freiherrlichen Wortformungsanatomie hätte kommen sollen.

    +++

    Obwohl das Grinsen Ansätze des Verschwindens zeigt, so erstirbt es nicht ganz - es wird zu einem schmunzeln, das lediglich noch die Linke und Rechte Backenzahnreihe entblößt.

    "Du wirst mir doch wohl nicht etwa böse sein, wegen dem von gerade, eh ?" Er nickt in Richtung Tempel. "Und was wir jetzt tun - war eine rein rhetorische Frage, wir werden natürlich Steingruber suchen. Ich für meinen Teil würd aber auch gerne wissen, was hier eigentlich vor sich geht."

    Er nickt in Richtung Stadtzentrum.

    "Diese Sache mit dem falschen Gouverneur stinkt doch, und ich find es ist an der Zeit, das ihm das jemand mal mitteilt."

    Mit diesen Worten macht er sich, unverschämt und wohl auch ungewohnt gut gelaunt auf in Richtung Stadtzentrum, dabei leise pfeifend, und ab und an ein paar unverständliche Liedverse vor sich hin summend, die aber bei weitem nicht so melancholisch klingen wie sonst üblich.


    +++

    „Böse? Ich? Deswegen? Nein.“,
    entgegnet Dragomir... „Und was den Rest angeht... Ganz meine Meinung.“

    Tatsächlich lässt der Freiherr Lucan einen halben bis ganzen Schritt Vorsprung – allein schon weil der Pirat so enthusiastisch ausschreitet. So mag dem Tümmler entgehen, wie Dragomirs Mundwinkel sich zu einem leisen Lächeln heben. Ebenso wie sein Blick, der gen Himmel und Gewitter strebt...

    ... welches grollend und blitzend über Sant Ascanio hereinbricht, erste dicke Tropfen vom Himmel fallen lässt und nicht so recht zu der Stimmung passen will, die die beiden Recken an die Nacht legen.

    „Sag’ mal, auf welchen der Inseln bist Du schon gewesen?“,
    will Dragomir – seinen Kragen hochschlagend - wissen, als die beiden Allee hinunterstiefeln, von den Palmen und Bäume am Straßenrand noch vom größten Nass geschützt. „Ich meine: Welche kennst Du gut?“

    +++

    "Zwölf, Sieben und fünf"
    , summt Lucan vor sich hin, während er mit zügigen Schritt die Allee entlanggeht. Das aufziehende Unwetter scheint seine Stimmung nur noch weiter zu heben. Die Versicherung, das Dragomir es ihm nicht übel nimmt, nimmt er mit einem außergewöhnlich freundlichen Lächeln und einem "Gut.", zur Kenntnis.

    Er schaut nach oben, während der Freiherr die zweite Frage an ihn richtet und hebt die Linke Hand, um etwas daran abzuzählen. "Bin in Sylla geboren", beginnt er, "wobei das natürlich nicht auf einer Insel liegt. Wir waren oft im Südmeer unterwegs, bei den Waldmenschen, weil wir aufgrund unserer...“ , er grinst, "...Berufung - des öfteren mal nen ruhigen Ort gebraucht haben. Wir hatten viele Waldmenschen an Bord, Takate, Umbaata, und noch eine, die aber einfach nur "Kleine" genannt wurde, von daher kenn ich deren Inseln ganz gut. Bin immer mit Rotauge da unterwegs gewesen, Futter suchen."

    Er senkt die Hand wieder.

    "Was die Kolonien angeht..." er lacht schallend "...kannst du dir sicher vorstellen, das Kerle wie wir unsere äh.. "Besuche".. so kurz wie möglich gestalten."

    Er wendet sich mit einem grinsen zu Dragomir um.


    +++

    Der Freiherr folgt Lucans Erzählung aufmerksam, und immer wieder mit einem Schmunzeln, und gar nicht mit tadelndem oder gar erzürntem Blick.

    „Verständlich.“,
    meint er nur, und tatsächlich mag der Eindruck entstehen, daß Dragomir wirklich versteht. Und zwar nicht nur, weil er sich die Gründe für „Kurzaufenthalte“ lediglich vorstellen kann...

    „Hast Du eine Ahnung, wo Deine Freunde jetzt sind?“,
    fragt er weiter, doch dann huscht sein Blick die Straße hinunter, kaum einen Herzschlag später packt er Lucan am Kragen und zerrt ihn mit sich hinter einen der dicken Alleepalmen.

    „Auf der Kreuzung.“
    , zischt Dragomir und lugt mit dem Finger deutend eben dorthin, wo ein Schatten, ein Mann sich von der Ecke löste, ein, zwei Schritte auf die Kreuzung macht, dann wieder zum Haus umkehrt... und einen Moment später dann doch durch den Regen sprintend die Kreuzung quert.

    +++

    "Urgs!"
    , ist alles was Lucans Mund, betreffend der zuvor an ihn gerichteten Frage verlässt, während er reichlich unelegant in Richtung Palme taumelt. Er bedenkt Dragomir mit einem leicht tadelnden Blick, der sich aber schnell wieder legt, als er ihm den Grund für die Kragenhantierungsverdeckungsmission offenbart.

    Er lehnt sich daraufhin, Rücken an die Palme gepresst, leicht zur Seite um einen flüchtigen Blick auf die Kreuzung zu erhaschen. "Ahaa..." murmelt er, als er aus dem Verhalten das Mannes schließt, das es sich offensichtlich um jemanden handelt, der nicht sehr gerne gesehen werden wollte.

    Er dreht den Kopf zu Dragomir, ohne den Mann dabei aus den Augen zu lassen. "Meinst du das isser?"


    +++

    Dragomir hat sich ebenfalls an die wohl sehr breite Palme gedrückt, allerdings seitlich, und späht ebenfalls zur Kreuzung. Auch er schaut seinen Gefährten nicht an, als er flüsternd antwortet:

    „Kannst Du Dir vorstellen, daß ein voluminöser Mann wie Steingruber rennt?“

    +++

    Lucan sieht zu Dragomir und setzt eines jener Grinsenden Gesichter auf, für die er so bekannt ist.

    "Jedenfalls nicht freiwillig...", antwortet er, während er den Blick wieder auf die Szenerie richtet.


    +++

    „Hm... ich kann mir das eigentlich gar nicht vorstellen.“,
    meint Dragomir trocken. „Und wenn, dann sähe es amü... anders aus als das da gerade.“

    „Gehen wir mal näher ran.“

    Kaum ausgesprochen setzt sich Dragomir in Bewegung, mitunter das Scheppern und Klirren von der Straße – just aus der Richtung aus der sie kamen – überhörend. Ein Scheppern und Klirren, daß sich überaus verdächtig nach genagelten Stiefeln, Harnischen und Wehrgehängen anhört...
    Auch die leise, aber handfeste und vor allem mehrstimmige Flucherei über das Wetter, Vorgesetzte und Sinn des derzeitigen Unternehmens „Patrouille“ lässt nichts gutes Hoffen...

    +++

    "Öhh.."
    , wollte Lucan sagen, als der Freiherr sich schon in Bewegung setzt. Harnischklimpern. Das war einer der Töne, auf die ein freischaffender Vermögensumverteiler zur See sehr empfindlich reagierte.

    "Öhh.. Dragomir..", beginnt er, noch einmal. "Ich halte das für keine sonderlich gute Idee..."


    +++

    „Was denn?“,
    zischt Dragomir stehen bleibend, wird dann aber offenbar selbst des Schepperns Gewahr... „Hups.“

    Ein schneller Blick mit Inhalt „Mist.“ und „Danke“ wandert zu Lucan, dann weiter, um offenbar alle Möglichkeiten von A wie Angriff bis Z wie Zurückziehen auszuloten.

    Die Richtung, in der die Soldaten unterwegs sind und in die zuvor auch Lucan und Dragomir gingen, führt nach nicht einmal 50 Schritt auf die Kreuzung, an der das angestrebte Kontor liegt – allerdings auf der anderen (rechten) Straßenseite, so daß man genau vor der Nase der Gardisten die Straße kreuzen müsste. Linkerhand schließt sich der Vorgarten einer Villa an, gleich daneben, wenige Schritte entfernt zweigt eine Gasse ab.
    Aus der Richtung, aus der die beiden ungleichen Recken kamen, marschieren offenbar nun Gardisten die Straße herunter. (Dort würde auch die Niederlassung Stoerrebrandts liegen, wie die beden Recken wohl möglich unterwegs gesehen haben...) Der erste von ihnen schält sich aus der Dunkelheit und dem Regenschleier ins Sichtfeld, geharnischt, behelmt und mit Hellebarde und Kusliker bewaffnet, gefolgt von einem zweiten... einem dritten...

    „Rein in die Gasse!“
    , zischt Dragomir, auf eben jene deutend und offenbar immer noch der Unentdecktheit Priorotät gebend...

    +++

    Lucan nickt kurz als Bestätigung, geht sogleich in die Hocke und folgt Dragomir langsam, aber bestimmt, wobei er stets in Richtung der Bewaffneten durch die Dunkelheit späht.

    Der Regen und der Sturm macht ihm die Sache dabei nicht gerade einfacher, und das Wissen darum, das der Begriff "Adleräugige Büttel" nicht von ungefähr kommt, geben ihr übriges dazu, dass er während des Schleichens so aufmerksam ist, wie der Begriff "Schießhund" es nicht besser ausdrücken könnte. Zumindest würde der Regen und die damit verbundenen Geräusche es auch den Gardisten erschweren, sie in der Dunkelheit auszumachen...


    +++

    Lucan und Dragomir vermögen schneller zu schleichen als die Gardisten stiefeln können, zumal Dragomir seine langen Schritte in der Seitengasse noch beschleunigt. Rechterhand grenzt eine Mauer einen mächtigen, bestimmt dreistöckigen Palazzo von der Außenwelt ab, linkerhand liegt eine Villa, gefolgt (am Verlauf der Gasse gemessen) von zwei niedrigeren Wirtschaftsgebäuden. Diesen gegenüber (und damit gleich hinter dem erwähnten Palazzo mündet eine weitere Gasse ein...
    Dragomir hält auf eben diese zu, bremst jedoch so abrupt an der Ecke ab, daß er über das Pflaster schlittert und sich an der Mauerecke abfangen muß. Aus der gleichem Bewegung heraus macht er kehrt...

    „Noch mehr von denen!“,
    zischt er Lucan ebenso sauer wie warnend entgegen und späht an ihm vorbei in die Dunkelheit. Tatsächlich scheppert auch aus dieser Gasse Wehrgehänge und Stiefelschritt, so dass ein vorsichtiger Blick um die Ecke vier Gardisten ausmachen würde...

    +++

    Lucan zeigt ein Grinsen. Ein Ausdruck, der so gar nicht mit dem in seinen Augen zusammenpasst, aus dem man eher so etwas wie Ratlosigkeit und gar eine Spur von Angst ablesen kann. Irgendwie mag er in diesem Moment in der Tat an einen kleinen Schimpansen erinnern, die Geste, die er zeitgleich vollführt, ein wenig aussagekräftiges Kratzen am Hinterkopf, mag diesen Eindruck noch verstärken.

    "Ähhh... "

    Nur ein kurzer Moment der Irritation. Als freischaffender Vermögensumverteiler zur See verfügte er schließlich über alle Qualifikationen, die seinen Beruf ausmachten. Also auch über einen ausgeprägten Überlebenstrieb. Zudem musste er auch ziemlich kreativ sein. Immerhin lebte er noch.

    Das Schmunzeln, das sich jetzt auf seinen Lippen zeigt scheint schon deutlich zuversichtlicher, und diesmal wird es von einem gewitzt wirkenden Blitzen in seinen Augen unterstrichen.

    Er fixiert Dragomir, nickt leicht mit dem Kopf und grinst Ihn an. "Spiel mit. Ich erklär´s dir später."
    Kaum das der Plan in seinem Kopf Gestalt angenommen hat, macht Lucan sich auch schon an die Ausführung. Er drückt sich gegen die Hauswand und rutscht an ihr entlang zu Boden, kippt dort mit dem Kopf in Richtung der nächstbesten Pfütze, und sieht zu Dragomir auf.

    Er vollführt eine Geste. Es ist genau die Geste, die man mehrere Male vollführen muss, bevor man einen Eindruck macht, den Lucan mit seiner Körperhaltung gerade erweckt... vollkommen betrunken...



    +++

    Dragomir scheint heute nicht viel von Schauspielerei zu halten, da er die gut zwei Schritt hohe Mauer in Augenschein nimmt, bevor er Lucans Gesten wahrnimmt.
    Dann atmet er tief durch, folgt jedoch Lucans Beispiel, lässt sich selbst gegen die Wand fallen und rutscht daran herunter – nur um zu Lucan herüber zu schauen...

    „Bewaffnet wie wir sind, würde ich uns Unbekannte während der Ausgangssperre ohne Umschweife einlochen!“, raunt der Bornländer mit entgeisterter Miene, deutet auf den Säbel an Lucans Gürtel und zerrt an der eigenen Panzerjoppe, um seine Worte zu verdeutlichen.

    +++

    Lucan rolllt mit den Augen. "Du doch nicht!" Er deutet mit den Kopf in Richtung der sich nähernden Geräusche.

    "Verstehst du nicht?" Er drückt Dragomir demonstrativ mit der Faust gegen die Schulter. "Wenn sie in Sichtweite kommen, verpasst du mir einen Tritt und versuchst dann mich hochzuzerren."

    Er hebt und senkt seine Augenbrauen in schneller Folge. "Wer hat schon Angst vor nem Besoffenen? Und hast du vielleicht ne bessere Idee, wie wir an Informationen rankommen sollten?"

    Er nickt wieder in Richtung der Geräusche. "Ich glaube kaum, das sich in einer Stadt wie dieser alle Gardisten Wachen kennen, und erst recht nicht wenn es stürmt..."

    Nun ist es an Lucan, demonstrativ auf Dragomirs Panzerjoppe zu tippen. "Sag mal ehrlich, Besenhintern. Wer würde nen besseren Gardisten abgeben als du, eh?"


    +++

    Eine sehr seltsame Mischung aus Genervtheit und Zeichen des Verstehens zeigen sich in Dragomirs Gesichtsausdruck.

    „Mir wird wohl nichts anderes übrigbleiben.“,
    knirscht er durch die Zähne angesichts der sich aus Regen und Dunkelheit herausschälenden Gardisten. Er springt auf, spart sich angesichts wenig verbleibender Zeit den Tritt, packt jedoch schon Lucans Kragen und zerrt ihn nach oben.

    „Hoch mit Dir, Freundchen...!“,
    kommandiert der Sewerier in einer Lautstärke, die dafür sorgt, daß spätestens jetzt die geharnischten, mit Morion behelmten Gardisten (womit sie so gar nicht wie Dragomir in seiner recht individuellen Montur aussehen...) aus beiden Richtungen auf die Gefährten aufmerksam werden.

    „He! Wer da?!“,
    krächzt eine Stimme durch die Nacht, genagelte Stiefelsohlen halten in ihrem Marsch inne, manch stumpfes Ende von Hellebarden knallt auf den Boden, manch scharfes Ende senkt sich soweit, um auf Dragomir und Lucan zu zeigen. „Wer seid ihr, Burschen? Und was habt ihr um diese Zeit hier zu suchen?!“

    „Na, das seht ihr doch. Diesen Unsinn plappernden Saufbold heim ins Kontor bringen, damit er seine Arbeit erledigen kann, anstatt morgen den lieben, langen Tag zu verpennen!“
    , grantelt Dragomir zurück.

    +++

    "Habisch schon genug geabeitet, habisch"
    , lallt Lucan im besten Betrunkenentonfall, die Zunge locker lassend und den Kopf hin und her wedelnd, während er sich hochziehen lässt und Dragomir mit perfekt gespielter Miene ansieht.

    "Habsch halbe Schiff abgeladn. Halbesch Schiff Kerl!". Er lässt seinen Kopf zur Seite rollen und weitet die Augen, ganz als ob er sich erst jetzt der sich nähernden Gardisten gewahr geworden wäre.

    "Bidde nisch mehr schlagn... weisch ja dasch du schaua wirscht, wenn isch tschu viel getrunkn hab. Büdde... will nisch endn wie die Wachn die disch geschtern geärgat habn. Bin brav. Ehrlisch..."

    Lucan versteht es in diesem Moment äußerst gekonnt, gerade den Worten "Wachn" und "enden wie", einen überaus zittrigen, fast stammelnden Tonfall zu verleihen... und auch seinem Gesichtausdruck das passende Ängstliche zittern hinzuzufügen.

    "Hat schie viärtln laschn, der Bosch, wail schie wasch auschm Kontor geklaut ham.", lallt er in Richtung Wachen, bevor er sich wieder Dragomir zuwendet und ihn mit seinem gespielten, verängstigten Blick ansieht.
    "Wasch hattn schie geklaut, Bosch?"


    +++

    „Rum.“,
    antwortet Dragomir so trocken, als würde das Wort mit einem Rumms schwer auf harten Boden fallen und ohne Aufzuspringen liegen bleiben.
    Die Gardisten hingegen machen derart angestrengte Mienen als hätten sie Mühe, aus Lucans Lallen auch nur annähernd einen Sinn zu bilden. Wohl möglich, dass sie daran auch vom prasselnden Regen auf ihren die Ohren überdeckenden Morione gehindert wurden...

    „Was erzählt er da?!“,
    hakt der Gardist nach, der schon vorher sprach. „Ein Schiff entladen? Vierteln?“

    „Vier-teilen. Man spannt den Delinqu...“,
    korrigiert Dragomir wie automatisch, unterbricht sich dann jedoch selbst. „Ach, Papperlapapp! Der ist voll wie ’n überlaufender Eimer.“ – mit einem Seitenblick zu Lucan, zähneknirschend: „Mal wieder. - Und sein Arbeitseifer lässt auch zu wünschen übrig. Aus unerfindlichen Gründen hat man jedoch Gefallen an diesem verlausten Bodensatz menschlichen wie tierischen Abschaums gefunden, so daß ich bei diesem scheiß Wetter ’raus muß, um ihn heimzuholen.“

    Dragomir guckt bei diesen Worten gen Himmel und dann zu den tropfenden Gardisten. „Könnte mir beileibe besseres vorstellen, als hier in Regen und Matsch rumzustiefeln, wenn in meiner Bude ’n guter Schluck und wer warmes zum Zudecken wartet...“
    Er formt mit der Hand unmissverständlich weibliche Umrisse nach und grinst dabei dreckig. Der ein oder andere Büttel erwidert das Grinsen auf die gleiche Weise und mit einem zustimmenden Nicken...

    +++

    Lucan kichert dreckig. "Dasch weilsch schon heavoarragenda Spitschel bin! Heavoarragend, Bosch!"
    Er lässt seinen betont lauten Worten einen betont lauten Rülpser folgen.
    "Kannschten ruhisch erzähln dasisch esch war, der die Arbeitersch letschte Woche earwischt hat. Isch war dasch!"

    Dem letzten, ebenfalls deutlich ausgesprochener Satz folgt ein kurzes "Uooohh", gefolgt von einem Schwanken, während dem er beinahe den Halt verliert, sich aber doch noch an der Wand abstützt.

    "Isch musch zum Kontor! Musch abaitn, jawoll! Abeitn!". Mit diesen Worten tippt er mit Nachdruck gegen Dragomirs Panzerjoppe und hält die andere vor das Gesicht um den Klang eines weiteren Rülpsers zu dämpfen.

    "Aba du muscht noch den fettn Kerl findn." Lucan kichert dreckig. "Kein Weibschen fürn Bosch." Wieder kichert er. "Kein Weibschn bisch de ihn gefundn hascht."

    Er lässt den Kopf in Richtung der Gardisten rollen. "Hatihn valorn, hatter, da Bosch... ischn Knaller, hä?"


    +++

    Einer der Gardisten, eben ihr Wortführer, wohlmöglich ein Korporal, wollte schon mit verständnisvoller Miene etwas sagen, als Lucans dreckiges Kichern und rülpsuntermalter Wortschwall ihn davon abhält. Dragomir gelingt es ein... „Ja... biste.“ unterzubringen und Lucans Wange zu tätscheln – etwas fester freilich, als der Vermögensumverteiler den „fetten Kerl“ erwähnt. In jenem Moment versteinert ein wenig die Miene des Seweriers...

    Die Gardisten hören angestrengt weiter zu, ein argwöhnischer Zug mischt sich in den Gesichtsausdruck des Korporals...

    „Einen fetten Kerl? Suchst Du etwa noch einen?“,
    will er von Dragomir wissen.

    ‚Ähm... ja... äh... wisst ihr...“,
    beginnt der Freiherr und vermeintliche Wächter, wobei nicht genau zu erörtern ist, ob er die Ratlosigkeit spielt oder nicht. „Der hier...“ - er schiebt Lucan etwas von sich und schüttelt ihn am langen Arm – „...erzählt viel wenn der Tag lang ist. Vor allem neigt er wie ein Mistkäfer dazu, sich immer weiter in Schwierigkeiten zu graben.“

    Beim letzten Satz wird Dragomirs Tonfall immer eindringlicher...

    +++

    Lucan schweigt. Doch der süffisant-grinsende Gesichtsausdruck in Dragomirs Richtung mag Bände sprechen...

    Erst nach einer Weile erhebt er wieder das Wort.
    "Oh, Bosch. Du hascht aber grosche Ohren..


    +++

    „Seht Ihr?“,
    fragt Dragomir die Gardisten, als habe Lucan gerade den Beweis für seine Feststellung angetreten.

    „Ja...“,
    gibt der Korporal zurück und ergänzt nach kurzem Überlegen generös hinzu: „Sieh zu, daß Du fertig wirst mit Deiner Suche und schaff den Säufer und den anderen Kerl heim, bevor wir euch einkassieren!“

    „Ihr habt ihn also nicht gesehen...“,
    fragt Dragomir nach – mit für Gardisten verständlichem genervten, aber auch herzzerreißendem, hilfesuchendem, ja geradezu untertänigem Tonfall und Blick.

    „Nein, Dummkopf, sonst hätten wir ihn doch in Gewahrsam, oder?“,
    erwidert der Korporal – begleitet vom Lachen seiner Männer. „Los, trollt Euch, bevor ich’s mir anders überlege.“

    „Schon gut, schon gut... Und vielen, vielen Dank.“,
    antwortet Dragomir, wendet sich zum Gehen, wobei er zum Einen Lucan mit sich zerrt, zum anderen – sobald sie die Gardisten hinter sich haben - eine derart finstere Miene an den Tag legt, daß die umgebende Nacht einem strahlend hellen Morgen im PRAios gleicht.

    Und diese Miene erhellt sich auch nicht durch die hinterhergeworfenen Kommentare über Lucans und Dragomirs vermeintliche Situation oder ihre lobenden Bemerkungen gegenüber ihrem Korporal über dessen taktisches Geschick.
    „Los, wir marschieren ab in die Garnison. Müssen ja nicht noch nasser werden.“
    , ist der Korporal noch zu hören (der letzte Teil lauter, so daß die beiden Recken es auch hören...), dann Stiefelschritt und weiteres Lachen.

    „Sind sie weg?“,
    knurrt Dragomir...

    +++

    Kaum das die Gardisten außer Sichtweite sind setzt Lucan das für ihn so typische Praiostagsgrinsen auf, das von einer Wange zur anderen zeigt und seine perlweißen Zähne entblößt.

    Ein "Jup", ist die kurze Antwort auf die zuvor gestellte Frage. Sogleich rückt er seine Kleidung zurecht und klopft sein Hemd glatt.

    "Hat doch funktioniert."

    Das anschließende Grinsen spricht... wieder einmal... Bände.


    +++

    Zunächst ohne weiteren Kommentar lässt Dragomir Lucan los.

    „Hm, ja. Irgendwie...“,
    antwortet er dem Vermögensumverteiler auf dessen Bemerkung und bleibt stehen. „Sie scheinen ihn also nicht gefunden zu haben...“, spricht er sachlich weiter und späht die Gasse hinauf – also dorthin, wo die Gardisten entschwunden sind - und hinunter Richtung Hafen. Zudem wandert sein Blick die Häuser entlang und an dem Gebäude hoch, vor dem sie unmittelbar stehen. Es erstreckt sich längs der ganzen Gasse, weist bis weit über Kopfhöhe keine Öffnung auf, erst dann, in den zwei Obergeschossen gibt es Fenster. Der Freiherr kneift nachdenklich die Augen zusammen, bevor er schmunzeln muß...

    „Gehen wir zum Kontor dieses di Cavallia. Mal sehen, ob sich da..."
    , er unterbricht sich selbst und fügt noch leiser als ohnehin schon an: "Hör' mal!"

    Dabei deutet er auf die schräg gegenüberliegende Hausecke - von dort wehen Wortfetzen und Stimmen heran - und huscht schon auf die andere Gassenseite...


    +++

    Hä? Ob es nun an dem Plätschern des Regens oder dem vorigen durchgeschüttel geleben haben mochte, sei einmal dahingestellt - Lucan hörte tatsächlich nichts. Erst als er sieht wie Dragomir sich langsam entfernt pult er sich wenig elegant mit dem kleinen Finger ein wenig im Ohr herum und folgt dem Freiherrn in geduckter Haltung...





    [Danach tauchen sie in Beitrag 379 des Hauptthreads wieder auf. Hat echt Spaß gemacht, Dendar. Mehr davon!]
    Geändert von Dragomir (09.09.2009 um 10:27 Uhr)

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